Zweifel an der eigenen Lustigkeit und Verschwörungstheorien

Heute möchte ich von einer amüsanten Begebenheit berichten, die wie im letzten Eintrag, nicht zum Totlachen komisch ist, aber doch ganz charmant. Ihre Besonderheit besteht darin, dass ich sie meinem Kumpel So’ n Chaos (insgesamt ein sehr feiner Gentleman) verdanke, der von sich denkt, er sei nicht besonders lustig.

Einmal, wir waren gerade auf unserem Weg Richtung Kioskbier, erwähnte So’ n Chaos, er könne ja leider keine guten Witze machen. Dann wechselten wir das Thema und jammerten darüber, wie doof Anhänger von Verschwörungstheorien seien.

Schnell waren wir uns einig, dass das Nervige an denen darin bestehe, dass sie zu faul seien, sich mit den Komplexitäten und Interdependenzen von Machtwirkungen und –beziehungen in der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Stattdessen überlegen sie sich eine schöne Verschwörungs-theorie mit einem klar identifizierbaren, für alles Übel ursächlichen, autonomen, allmächtigen Subjekt. Das kritisieren sie  dann zwar, sind aber eigentlich froh, sich die Welt so einfach erklärt zu haben.

So’ n Chaos und ich sind intellektuell weiterentwickelter. Daher ärgern wir uns über die Verschwörungstheoretiker (und, im Sinne der allumfassenden Geschlechtergerechtigkeit, natürlich auch über die Verschwörungstheoretikerinnen sowie die Personen, die sich keiner spezifischen geschlechtlichen Identität zuordnen wollen und außerdem Verschwörungstheorien mögen; aber seien wir ehrlich, es sind meistens Männer!). Die sind alle ziemlich scheiße. Vielleicht auch deswegen, weil Verschwörungstheoretikertum und Antisemitismus uns ja nicht selten in Personalunion begegnen.

Tatkräftig, leistungsbereit, wettbewerbs- und  praxisorientiert, jederzeit willens und fähig konkrete Lösungen zu entwickeln, wie So’ n Chaos und ich nunmal sind, fiel uns dann zum Glück schnell ein, wie das Dilemma zu beheben wäre: Die ganzen Verschwörungstheoretiker müssen einfach in Umerziehungslager mit Foucault-Zwangslektüre-Kurs gesteckt werden. „Ja, und wo ist der Witz?“, fragen sich gerade die aufmerksam Lesenden.

Naja, und um diese ganze Zwangslager-Umerziehungsaktion in die Tat umzusetzen, würden wir natürlich eine große Weltverschwörung organisieren.

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Ein Kommentar zu “Zweifel an der eigenen Lustigkeit und Verschwörungstheorien

  1. ich hab‘ tatsächlich einen von dieser spezies in meinem bekanntenkreis, einen glühenden anhänger diverser rechtsabgründiger verschwörungs-enthüller.
    gestern hat er mir überraschend eine sehr lange nachricht geschickt.
    auszug:
    „ich finde es gerade interessanter als fast alles andere, sich diese ganzen leute mal reinzuziehen, OHNE voreingenommen zu sein. ganz schafft man es nie, aber ich versuche es halt. man muss dann kein sherlock, und nicht hyperintelligent sein, um irgendwann logisch unwiderlegbare fakten zu erkennen. ganz wichtig dabei ist sich erstmal richtig reinzuschmeissen.“

    er weiss offenbar einfach nicht, dass es garkeine verschwörungen gibt.
    *sie* wollen nur, dass du an sie glaubst …

    ps: der journaille werfe ich empört vor, dass das ganze netz überschwappt von diesen wissensmanufaktur, alpenparlament, akz (und wie sie alle heissen) videos und blogs und veranstaltungen und buchverlage und internet-tv-sendern – und man aufklärung über das pack mit der lupe suchen muss. einer sehr starken lupe.

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