Der Zauberberg – Die ersten hundert Seiten

Bloggen für dummies 101: don’t drink and blog, wissen alle. Der befreundete Onkel mahnte mich noch zur Zurückhaltung. Ich aber, euphorisiert von Bier und Sex-Hexe, schlug die Warnung in den Wind und kündigte eine Blogreihe zum Zauberberg an. Optimistisch wie ich war, dachte ich, also da werden sich doch interessante Zitate und lustige Bezüge zur Gegenwart zu Haufe finden lassen. Die werden mich von selber anfliegen, ich muss sie dann nur noch aufschreiben und mit Sex-Hexen anreichern.
Vielleicht finde ich eine Verbindung zwischen Zauberberg und GroKo, Zauberberg und Wetten dass..? oder Zauberberg und Pep Guardiola.
Hier eine erste Idee: Wie würde Thomas Mann Sigmar Gabriel beschreiben? Ich könnte daraus sogar einen Wettbewerb für meine drei Lesenden machen – Es gibt individuell zugeschnittene Preise. Ein erster Antwortsvorschlag zur Orientierung: „Sigmar Gabriel soll ich beschreiben?“, tönte er fragend mit sonorer, leicht raspelnd-rauher Stimme, deren Timbre an das Rauschen der Blätter im Koniferen-Hain gemahnte, während der Kalfaktor eine niederländisch-guineeische Chocolade kredenzte, zauselte mit indigniertem Gestus an seinem wohlgeformt-ziselisierten Schnurrbart und wandte sich empört ab.

Euer Onkel Maike

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9 Kommentare zu “Der Zauberberg – Die ersten hundert Seiten

  1. „Noch immer lagen, wie bei seiner Mutter, die bläulichen Schatten in den Winkel seiner Augen, – dieser Augen, die, besonders wenn sie seitwärts gerichtet waren, mit einem so zagen wie ablehnenden Ausdruck dareinblickten, während sein Mund sich noch immer auf jene wehmütige Art geschlossen hielt.“

    Die Copy-&-Paste-Variante

  2. Ich finde zwar die Idee wunderbar, kenne Thomas Mann aber erstens zu wenig und bin zweitens zu beeindruckt von deinem eigenen Beispiel, um selbst noch etwas anzubieten. Wenn du mal den Stil eines Autors aus der belanglosen Trivialliteratur nachgeahmt haben willst, ist das vielleicht eher was für mich.
    Oder Ayn Rand. Die kann ich auch, glaube ich. Aber ich wiederhole mich.

    • Lieber Fabian,

      besten Dank für den netten Kommentar. Wie würde ein Autor der belanglosen Trivialliteratur oder Ayn Rand denn Sigmar Gabriel beschreiben?

      Viele herzliche Grüße

      Dein Onkel Maike

      • Ayn Rand ist einfach. Moment …
        Sigmar Gabriel had vague features and a manner devoid of all emphasis, so that one could form no specific image of his face nor detect the driving motive of his person.
        His only mark of distinction seemed to be a bulbous nose, a bit too large for the rest of him.
        „We have the right to do it!“ cried Gabriel suddenly, in defiance of the stillness of the romm. „We need it. We need it, don’t we?“ There was no answer. „We have the right to protect our livelihood!“ Nobody opposed him, but he went on with a shrill, pleading insistence. „We’ll be safe for the first time in centuries! Everybody will know his place and job, and everybody else’s place and job — and we won’t be at the mercy of every stray crank with a new idea!“

  3. Lieber Fabian,

    ganz formidabel – mein erster Englischsprachiger Comment – ich überlege den Wettbewerb Mann-Externe Versuche zu öffnen, muss ich noch mit der Jury besprechen!!!

  4. Hier mein Versuch. Ist eher einfach vage bildungsbürgerlich als speziell Thomas Mann, würde ich sagen 😉

    Der stämmige Mann mit den tiefliegenden Augen drehte sich zum Mikro und starrte in die sich immer mehr echauffierende Menge junger Genossen; deren Unflätigkeiten prallten an ihm ab, so wie sie an jedem wahren Starrkopf abprallen würden. Aber ein Rest von menschlichem Gespür in seinem granitverhärteten Verstand riet ihm doch dazu, den Genossen etwas zu erwidern. „Das können sie als Studenten ja einfach sagen!“, fabrizierte er schließlich bestimmt, niemand bestimmtes ansprechend, nichts spezielles sagend, zweifelsohne provozierend, nicht im geringsten produktiv, aber auf das äußerste eine politische Aussage, wie er fand. Ganz nach dem Vorbild von Mutter Merkel, gestand ein Teil von ihm sich leise ein, bevor dieser Teil wieder unter Granit verschüttet wurde. Unbewegt beobachtete er die sich nun in politische Raserei steigernden Genossen vor ihm, beobachtete gespielte wie echte Empörung, Haltlosigkeit ob der sinnlosen Provokation und fundamentales Unverständnis des Geschehens. Ein Unverständnis im Übrigen, dass er in gewisser Weise teilte. Denn trotz aller gezielter Provokation wusste er eigentlich nicht, warum er sich überhaupt mit diesen Menschen unterhielt. Die Entscheidungen standen schon fest, der Rest war schlicht Geplänkel. Seine Politik würde sich fraglos durchsetzen, ob nun diese Meute hier mitzog oder nicht. Und so besann er sich darauf, diese kleine Farce zu beenden. Die Image-Berater würden nicht begeistert sein, aber sein Interesse an der Situation ging dem Nullpunkt entgegen, und er sehnte sich nach der Bequemlichkeit seiner Limousine. „Sie können ja abstimmen, wie Sie das für richtig halten, aber ich sage ihnen, die Koalition ist der einzige Weg! Ich muss mich nun verabschieden. Vielen Dank!“. Während die Meute der jungen Genossen in Folge dieser Worte sich der politischen Eruption nahte, sortierte der stämmige Mann in scheinbarer Erregung, aber innerlich gelassen seine Papiere und verschwand hinter dem Vorhang, wo ihn sein Sicherheitspersonal in Empfang nahm und zur Limousine geleitete. Alternativlosigkeitspostulat, dachte er auf dem Wege; das war doch der wahre politische Trick. Ganz wie Mutter Merkel, sprach ein Teil von ihm unter den Granittrümmern, der gleich weiter begraben wurde.

  5. Lieber so’n Chaot – da haste aber mal einen rausgehauen. Du hast ja nicht nur den Sigmar Gabriel beschrieben sondern gleich eine Allgegorie auf die Reform-Verrat-SPD – Onkel Maike ist entzückt – auch über das Anarchistentum der Kommentierendden. Die erste versucht sich noch an Thomas Mann, der zweite bietet schon was anderes an – der Dritte freestylt total (es kommt mir aber bekannt vor…

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