Prostitution II – „Bestelle Taxen immer ausdrücklich ohne Bordellwerbung“

Eigentlich wollte ich mich in meinem zweiten Blogeintrag ja nicht mehr der Prostitution, sondern dem Anprangern eines verwandten Institutes – der Ehe – widmen.

Aber mit der Prostitution ging es so interessant weiter, deswegen ein paar Nachträge.

Am Wochenende unterhielt ich mich mit einem Bekannten, der die Schwarzer-Kampgagne unterstützt. Dieser rief mir noch mal ins Gedächtnis, dass  im Rahmen der Kampagne ja nicht nur die Bestrafung von Freiern, sondern beispielsweise auch „Prävention in Deutschland und in den Herkunftsländern, sowie Hilfen zum Ausstieg für Frauen in der Prostitution sowie Schutz vor Abschiebung von Zeuginnen sowie deren Aufenthaltsrecht“ gefordert wird. Ebenso wird verlangt, dass Bordellbesitzer keine Wuchermieten mehr nehmen dürfen. In Anbetracht der Tatsache, dass, wie ich bei Maischberger lernte, der Eigentümer des Kölner Großbordells „Pascha“ 160,- Euro pro Frau pro Tag pro acht Quadratmeter Zimmer berechnet, eine wichtige Maßnahme. Wer_wem das noch nicht reicht, oder nicht schnell genug geht, die_der kann auch Taxis ohne Bordellwerbung bestellen oder weitere Anregungen umsetzen. Hm, da bin ich mir schon wieder nicht mehr ganz so sicher.

Mit meinem Anliegen, das Bewusstsein des Bekannten für die Tatsache zu schärfen, dass, wie bei Udo Gerheim nachzulesen, nicht alle Freier Schweine sind, scheiterte ich. Das Beispiel des Kunden im Rollstuhl oder mit anderen körperlichen Einschränkungen, der auf andere Weise als durch Prostituiertenbesuch keine sexuellen Kontakte erreichen kann, wurde abgeschmettert: „Was ist denn beispielsweise mit der Frau eines querschnittgelähmten oder krankheitsbedingt anderweitig in der sexuellen Funktionsfähigkeit eingeschränkten Mannes? Darf die sich jetzt auch `nen Callboy rufen?“ fragte mein Bekannter. Tja, darf sie? Vielleicht darf sie, aber die allermeisten Frauen würden es wohl nicht tun.

Als ich im Nachhinein über das Gespräch nachdachte, fühlte ich mich bösartig und oberflächlich. Könnten meine Anti-Alice-Affekte in unaufgearbeiteten Gefühlen für meinen störrischen, autoritären Opa begründet sein, während mir die Prostituierten in Wirklichkeit egal sind?

Szenenwechsel: Montagabend, Kneipe, Skatverein: Anerkannt muss werden, dass die Kampagne bewirkt hat, dass alle drüber reden. Während ich noch damit beschäftigt bin, Skat um Bier zu spielen, fangen meine Skatfreunde am Nachbartisch eine Diskussion zum Thema an. Ausgangspunkt: Skatschwester 1 belehrt die Skatbrüder 2 – 4, dass es „zu einem richtigen Mann dazu gehört, dass er mal im Puff war“. Eine sinnvolle Mitteilung, denn die Brüder fangen jetzt an, von ihren Bordellerlebnissen zu berichten:  Aus dem Ohrenwinkel bekomme ich mit, dass Skatbruder 2 bei einer Prostituierten war und drei Mal 50 Mark nachzahlen musste; die Prostituierte fand, er sei ein „anstrengender Kunde“. Skatbruder 3 fand es im Puff „irgendwie steril, wie im Krankenhaus“.  Ich glaube, er meinte nicht die Sauberkeit des Etablissements, sondern die Art des körperlichen Kontakts, interessant. Skatbruder 4 sagte, er sei noch nicht bei einer Prostituierten gewesen, habe aber auch ein Rotlicht-Erlebnis zu berichten. Was das genau war, habe ich dann aber nicht verstehen können. Skatbruder 2 war danach noch länger in der Kneipe und ich habe ihn ein bisschen ausgefragt: „Warum fand die Dich denn anstrengend?“ (die Frau kam aus Essen, hatte eine Fahrgemeinschaft mit ihrer Freundin sowie eine neunjährige Tochter und es könnte sein, dass sie nervig fand, dass er so viel gefragt hat) und „Warum musstest Du dreimal bezahlen?“ (ja, schon klar, naive Frage). „Kannst Du verstehen, dass manche Leute, das schlecht finden, wenn Männer zu Prostituierten gehen“? Lange Rede kurzer Sinn: Die respektiven Skatbrüder sind sanftmütige, nette, unmisogyne Männer, ihre Art übers Thema zu sprechen war offen, aber nicht fies, oder sonst irgendwie von Frauenhass geprägt. Sie haben sich einfach ganz normal darüber unterhalten.

Als ich nach Hause kam, war ich aufgewühlt und konnte nicht schlafen. Schnell aß ich eine Tüte Zwiebelringe und eine Tüte Erdnüsse, um mich zu beruhigen.  Währenddessen und danach fragte ich mich, warum ich denn so unruhig bin. Möglichkeit Eins: An dem Abend hab ich ärgerlicherweise knapp verpasst, in die Medaillen-Ränge der Skatliga vorzustoßen. Möglichkeit Zwei: Vielleicht ist es doch unangenehmer, kränkender und verstörender als ich dachte, dass meine Kumpel mit mir in der Kneipe sitzen und sich ganz selbstverständlich drüber unterhalten, wie sie ins Bordell gehen und mit Frauen Sex für Geld haben.

Viele Grüße

Euer Onkel Maike

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Ein Kommentar zu “Prostitution II – „Bestelle Taxen immer ausdrücklich ohne Bordellwerbung“

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